Tübingen baut seine Energieinfrastruktur um: Ein neuer Solarthermiepark, die größte Fernwärme-Offensive der Stadtgeschichte und ein Klimaschutzprogramm mit konkreten Zielen. Die Stadtwerke liefern seit 2012 100% Okostrom — jetzt folgt die Wärmewende.
Die Energiewende in Tübingen wird von den Stadtwerken Tübingen (SWT) getrieben — einem 100% stadtischen Unternehmen, das seit 2012 ausschliesslich Okostrom liefert. Jetzt folgt der nachste Schritt: die Wärmewende. Die Investitionen verteilen sich auf drei Grossprojekte:
Die Stadtwerke Tübingen sind weit mehr als ein Energieversorger. Als 100% stadtisches Unternehmen betreiben sie einen Grossteil der kommunalen Infrastruktur:
Dieses breite Portfolio ist typisch für deutsche Stadtwerke — es ermoglicht Quersubventionierung (z.B. profitable Sparten finanzieren den OPNV) und kurze Entscheidungswege. Die SWT engagieren sich zudem als Sponsor im lokalen Sport und in der Kultur:
| Verein | Art | Betrag (gesch.) |
|---|---|---|
| Tigers Tübingen | Sponsor (Basketball, ProA) | €250.000 |
| LAV Stadtwerke Tübingen | Namenssponsor (Leichtathletik) | k.A. |
| TSG Tübingen 1845 | Sponsor | k.A. |
| SV 03 Tübingen | Sponsor (Fussball) | k.A. |
| Tübinger Kammerorchester | Sponsor (Kultur) | k.A. |
Die SWT gehoren zu 100% der Stadt Tübingen. Der Aufsichtsrat wird vom Gemeinderat besetzt, den Vorsitz fuhrt der Oberbürgermeister — eine in Baden-Wurttemberg ubliche Struktur nach der Gemeindeordnung. Die Gewinne fliessen vollstandig an die Stadt zuruck.
| Stadt | Einwohner | Fernwärme-Invest | Solar | Stadtwerke-Modell |
|---|---|---|---|---|
| Tübingen | 92.000 | €65 Mio. | €21 Mio. | 100% Stadt, Monopol |
| Konstanz | 85.000 | €40 Mio. | €8 Mio. | Stadtwerke + Solarinitiative |
| Freiburg | 236.000 | €80 Mio. | €35 Mio. | Badenova (teilprivatisiert) |
| Heidelberg | 162.000 | €120 Mio. | €15 Mio. | Stadtwerke + EnBW-Beteiligung |
| Marburg | 77.000 | €25 Mio. | €5 Mio. | Stadtwerke 100% Stadt |
Quellen: Stadtwerke-Geschaftsberichte, kommunale Klimaschutzberichte, eigene Recherche. Vergleichswerte sind Naherungen.
Pro Kopf ist Tubingens Engagement uberdurchschnittlich: €978 pro Einwohner für die Energiewende, verglichen mit ~€340 in Freiburg und ~€740 in Heidelberg. Allerdings hat Tübingen auch einen Nachholbedarf: Die Stadt hatte lange Zeit kein Fernwarmenetz, während Freiburg und Heidelberg seit den 1980ern ausbauen.
Installierte PV-Leistung: Die Stadt fordert Photovoltaik mit €250.000/Jahr — aber wie viel Kapazitat ist bereits installiert? Keine öffentlichen Daten verfügbar.
Windkraft: Kein einziges Windrad auf Tübinger Gemarkung. Die Flachennutzungsplane sehen keine Standorte vor. Für eine Stadt, die Klimaneutralitat anstrebt, eine auffallende Lucke.
SWT-Geschaftsbericht: Die genauen Sponsoring-Summen sind nicht öffentlich. Die SWT veroffentlichen einen Geschaftsbericht, aber ohne detaillierte Aufschlusselung der Sponsoring-Ausgaben.
Tübingen investiert €90 Mio. in die Wärmewende — für eine 92.000-Einwohner-Stadt ein bemerkenswertes Volumen. Der Solarthermiepark Au ist eines der größten kommunalen Solarthermie-Projekte in Baden-Wurttemberg. Die Fernwärme-Offensive soll langfristig Erdgas ersetzen.
Mit 100% Okostrom seit 2012 und der laufenden Wärmewende positioniert sich Tübingen als eine der ambitioniertesten Kleinstadte Deutschlands beim Klimaschutz. Ob die €978 pro Kopf die prognostizierte Wirkung entfalten, wird sich in den kommenden Jahren zeigen — die Daten werden hier dokumentiert.